This is a German-language blog post written by our member mayermakes. You can view an English translation of this piece here.

 

Germany, Switzerland, Austria

 

Der Begriff „Maker“ geistert seit einiger Zeit durch die Medien: Es wird von 3D- Druckern, Robotern und offenen Werkstätten berichtet. Wer sind diese Maker und warum schlägt eine in den USA entstandene Bewegung im Herzen Europas so hohe Wellen?

 

In den Vereinigten Staaten sind Maker bereits Teil des Mainstreams geworden, die Maker Faires sind längst nicht nur Anziehungspunkt für Technikbegeisterte und die Maker selbst, sondern haben sich zu einem lohnenden Ausflugsziel für jedermann gewandelt.

Viele tausend Menschen sehen täglich die neuesten Videos ihrer Helden aus der Maker-Bewegung in sozialen Netzwerken, teilen diese Inhalte mit ihren Freunden und bauen die gezeigten Projekte nicht nur nach, sie entwickeln diese sogar bedeutend weiter. Damit werden sie selbst zu Helden der Maker-Bewegung.
Während in Amerika die Welle, als die diese technikaffine Kultur erscheint, bereits das Land überschwemmt und im Mainstream Einzug gehalten hat, fristet die Maker-Bewegung im Herzen Europas ein (noch) stilles Dasein.

 

Die Bewohner der deutschsprachigen Länder,praktizieren nicht dieselbe Heldenverehrung wie die Menschen auf der anderen Seite des großen Teiches.

Während in den USA Maker wie Jimmy DiResta und Ben Heck Berühmtheit für ihre atemberaubenden Werke erlangt haben, hört man nur ab und an von den großartigen Projekten, die die regionalen offenen Werkstätten, Makerspaces  und FabLabs produzieren.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ergibt sich ein gegensätzliches Bild  : Makerspaces und Gemeinschaftsprojekte schießen nun mit einiger zeitlicher Verzögerung wie Pilze aus dem Boden und bieten ihren Mitgliedern Raum für Kreativität. Die bekanntesten Beispiele heimischer Erfindungen stammen aus diesen gemeinschaftlichen Organisationen und nur ganz wenige stellen sich dem Abenteuer ein Maker zu sein auf eigene Faust.

Diejenigen, die als Erste den Schritt aus dem Bastelkeller an die Öffentlichkeit gewagt haben, konzentrierten sich auf den einzigen Markt für ihre multimedialen Inhalte, den es damals (Anfang der 2000er) gab, nämlich englischsprachige Foren, Webseiten und Youtube.

 

Doch Europa, insbesondere Deutschland, Österreich und die Schweiz, holen den Rückstand in Riesenschritten auf. Allein in Österreich gab es 2016 gleich drei Veranstaltungen der Maker Faire-Reihe und Deutschland steht als Vorreiter mit Events in fast allen Landesteilen als Zentrum der europäischen Maker-Bewegung an vorderster Front.

Der deutschsprachige Raum bildet einen potentiellen Kundenstock von über 100 Millionen Menschen, die theoretisch alle einmal Maker sein könnten.

Besonders im Alpenraum gibt es eine lange Tradition an Bastlern, die seit vielen Jahren selbst Geräte entwickeln und einen großen Teil zur technischen Entwicklung beigetragen haben.

Auch aktuell wird zum Beispiel die FPV-Racing Szene im Herzen Europas am stärksten vorangetrieben.

Junge Menschen experimentieren wieder mit alten fast ausgestorbenen Handwerkstechniken um die von ihnen erdachten Produkte selbst anzufertigen.

Die Radiobastler der Nachkriegszeit haben den Weg geebnet und nun ist es an der Zeit die mitteleuropäische Maker-Bewegung aus ihren Bastelkellern und vor den Vorhang zu holen.

Derzeit bleiben noch viel zu viele großartige Projekte in den Werkstätten verborgen, denn es braucht Mut, Courage und Begeisterung, um sich der Öffentlichkeit als Maker zu stellen.

 

Langsam aber sicher erkennen Elektronik- und Werkzeughersteller das Potential, das in den deutschsprachigen Regionen der Welt liegt und fördern Maker und Makerspaces.

Doch um den Schritt in den Mainstream zu machen und die Maker-Kultur  tief im Bewusstsein der Menschen zu verankern, braucht es Helden und Vorbilder.

Maker, die nichts unversucht lassen, eine Idee zu verwirklichen, Frauen und Männer, die unermüdlich nach der Lösung für alltägliche Probleme suchen und Kinder, die von klein auf spielerisch an Elektronik, Technik und Handwerk herangeführt werden, bilden das Fundament für eine Gesellschaft, in der das kreative Erschaffen von Dingen zentrales Element wird.

Nur wenige Maker produzieren derzeit genau auf die deutschsprachige Community zugeschnittene Online-Inhalte, denn schneller Erfolg ist am Anfang einer Bewegung nicht die Regel.
Es ist ein steiniger Weg seine Werke und Ideen einem Publikum überhaupt zugänglich zu machen. Doch wer jetzt den Mut fasst und Teil der Generation wird, die Deutschland, Österreich und der Schweiz verhilft die nächste Stufe in der Verbreitung der Maker-Kultur zu erklimmen, der kann selbst einer der Helden werden, die die Bewegung in Europa braucht.

 

Maker zu sein bedeutet, die Entwicklung und die Herstellung von Produkten und Ideen wieder zu demokratisieren. Gerade im deutschsprachigen Raum galten die technischen Berufe für Aussenstehende lange Zeit als verschlossene und elitäre Gemeinschaft, die die mühsamen Versuche von Hobbybastlern nur belächeln konnten. Die Öffnung von Hard- und Software und Konzepte wie Arduino geben Durchnittsbürgern mächtige Werkzeuge in die Hand, die ihnen ähnliche Möglichkeiten eröffnen wie professionelle Hard- und Software Entwickler.

 

Die Zusammenarbeit von Profis und Makern treibt die Entwicklung neuartiger Produkte schneller und variantenreicher voran als je zuvor. Völlig neuartige Konzepte entstehen Tag für Tag überall auf der Welt und sind nur fähig regionale Probleme zu lösen, weil sie von den Menschen vor Ort erdacht werden. Es ist daher unumgänglich regionale Inhalte in der Landessprache anzubieten, um Sprachbarrieren einzureissen, Wissen uneingeschränkt zu vermitteln und die Mitglieder der Makerbewegung möglichst eng zu vernetzen. Maker Faires und Repair-Cafés bieten Anläße um sich zu treffen, aber für den kreativen Austausch ist Zeit und Raum erforderlich, daher sind die Vereine, Gemeinschaften und offenen Werkstätten  besonderes wichtige Institutionen.

 

Einzelne Maker sind oft Spezialisten in ihrer Lieblingsdiziplin. Sie werden zu Experten, die von der weltweiten Maker-Gemeinde um Rat gefragt werden. Es gibt aber auch Generalisten, die versuchen ein möglichst breites Spektrum an Projekten abzudecken. Sie werden zu Botschaftern der Bewegung nach Aussen und Innen.

 

In sehr vielen deutschen Städten gibt es schon jetzt dutzende Treffpunkte und gemeinschaftlich genutzte Räumlichkeiten. In Ost-Österreich entstehen laufend neue Vereine und der Veranstaltungskalender füllt sich zusehens. Auch in der Schweiz beginnt sich die Szene nun mit rasantem Tempo zu organisieren. Die Menschen besinnen sich  zurück auf Werte die Generation vor ihnen wichtig waren:  Dinge selbst zu erschaffen und miteinander zu teilen.

 

Und auch in einem Keller in Österreich sitzt ein enthusiastischer Maker und schreibt diesen Text angetrieben durch die Motivation, dass Profis die Maker in Zukunft als Partner sehen und mit ihnen gemeinsam die Welt verändern.

 

Über den Autor:

Clemens Mayer ist Maker aus Österreich, berichtet über seine Projekte und verbreitet online Nachrichten von und über Maker aus dem deutschsprachigen Raum.

http://mayermakes.de.tl

http://youtube.com/mayermakes

http://www.facebook.com/mayermakes

Twitter: @mayermakes

Instagram: @mayermakes